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Freitag, 25. Dezember 2009

Aufmerksamkeit in 4 Schritten



Wir wünschen ein Frohes Weihnachtsfest! 

Ein paar meiner neuen Kunden können es gar nicht erwarten, mit dem Training ihres neuen Familienmitglieds anzufangen, andere haben jetzt endlich die Muße, das lange vernachlässigte Training wieder aufzufrischen. Die ruhigen Tage zwischen den Festtagen bieten sich geradezu an, an den Trainingsgrundlagen zu arbeiten.

Auf die Frage, womit man am sinnvollsten anfangen könnte, fiel mir eigentlich nur eine Antwort ein: Aufmerksamkeitstraining! Wenn mein Hund mir keine Beachtung schenkt, kann ich mir nämlich alles Weitere sparen - er wird mich nicht hören, weil er gerade auf etwas anderes konzentriert ist.

Besonders die Halter von Rassen, die nicht zur engen Zusammenenarbeit gezüchtet wurden, müssen hier zunächst etwas Zeit investieren: während der durchschnittliche Border Collie einem den lieben langen Tag Löcher in den Kopf bohrt, weil er darauf warten, dass etwas Spannendes passiert, wird zum Beispiel ein Beagle eher damit beschäftigt sein, all die tollen Dinge auf seiner Liste abzuarbeiten, angefangen bei Mülleimer inspizieren, Probeliegen auf dem Sofa, Zeitung "lesen", Schläfchen halten, Nachbarskatze jagen, Küche nach Essensresten absuchen, Nachbarn verbellen... Was sich alles ganz prima ohne Ihre Hilfe erledigen lässt.

Der Mangel an Aufmerksamkeit ist leider auch oft der Grund dafür, dass Hundehalter ihren Hund aufgeben, und ihn als "untrainierbar" abstempeln. Dabei muss Aufmerksam einfach nur geübt werden, so wie jedes andere Verhalten auch. Wie können Sie also Ihren Hund dazu bringen, dass er Ihnen bei Bedarf die nötige Aufmerksamkeit schenkt?


Schritt 1

Fangen Sie zu Hause ohne Ablenkung an (deswegen bieten sich die Weihnachtsferien an, wo man viel Zeit zu Hause verbringt...). Bewaffnen Sie sich mit hochwertigen Leckerchen (NICHT das alltägliche Trockenfutter, jedenfalls nicht für den Anfang) und einem Clicker. Achten Sie darauf, was Ihr vierbeiniger Freund so treibt. Wenn er zu Ihnen schaut, klicken Sie und werfen Sie ihm ein Leckerchen zu. Ihr Hund muss nicht in Ihrer Nähe sein, es geht darum, das er schaut, was Sie so machen. 


Spielen Sie dieses Spiel über den Tag verteilt, und wenn Ihr Hund regelmäßig nach Ihnen schaut, versuchen Sie den Blickkontakt zu verlängern, in dem Sie den Klick eine Sekunde herauszögern. Arbeiten Sie sich auf mehrere Sekunden hoch. Sehr schnell wird Ihr Hund Ihnen immer wieder seine Aufmerksamkeit schenken.

Zu diesem Zeitpunkt können Sie auch ein Signalwort einführen - schließlich soll Ihr Hund auch mal einfach nur Hund sein dürfen und nicht ständig hinter Ihnen herlaufen. Ab jetzt wird der Hund nur noch belohnt, wenn er nach dem Signalwort bei Ihnen "eincheckt". Wenn Sie mit Ihrer Übungseinheit fertig sind geben Sie Ihr Signal, dass er jetzt wieder frei hat ("Frei", "OK")



Schritt 2

Jetzt beginnen Sie damit, kontrollierte Ablenkungen einzuführen. Ihr Hund sollte in der Lage sein, auch mit Ablenkungen Blickkontakt zu halten. Steigern Sie den Grad der Ablenkung langsam. Also zum Beispiel:
  1. Jemand macht nebenan im Raum Lärm
  2. Jemand kommt in den Raum, in dem Sie sich mit dem Hund befinden
  3. Jemand kommt in den Raum und bewegt sich in Richtung Hund
  4. Jemand kommt herein und stellt sich neben den Hund
  5. Jemand kommt herein und lehnt sich über den Hund
  6. Jemand kommt herein und berührt den Hund an der Schulter
  7. ...
Je nach Hund können Sie weitere Situationen schaffen, in dem Sie Essen ins Spiel bringen (jemand isst ein Brot in der Nähe des Hundes), weitere Haustiere einbeziehen, etc. 
 
Übertreiben Sie aber die einzelnen Schritte nicht; je kleiner die Annäherungen, desto schneller lernt Ihr Hund! Sinn ist nicht den Hund hereinzulegen, sondern er soll Erfolg haben können! Sollte Ihr Hund zunächst auf den Neuankömmling schauen ist das OK, so lange er seine Aufmerksamkeit dann wieder Ihnen zuwendet. Mit etwas Übung soll er sich dann ausschließlich auf Sie konzentrieren können, auch wenn neben ihm jemand einen Big Mac verzehrt oder einen doppelten Rittberger auf dem Küchenfussboden hinlegt (Etwas Komisches passiert = ich konzentriere mich auf meinen Menschen).
 
Schritt 3
 
Zeit nach draussen zu gehen: wenn Sie einen eingezäunten Garten haben, perfekt, ansonsten tut es auch eine Schleppleine in einer sicheren Umgebung. Spazieren Sie etwas herum und klicken Sie, wenn Ihr Hund ihnen seine Aufmerksamkeit schenkt. Glauben Sie mir, er wird schon sehr schnell an Ihren Fersen kleben!
 
Schritt 4
 
Jetzt können Sie die heimischen Gefilde verlassen. Beginnen Sie mit der Strasse vor Ihrem Haus, einem einsamen Park und arbeiten Sie sich bis zur Fussgängerzone am Samstag morgen herauf (immer vorausgesetzt, Ihr Hund hat keine Probleme mit Menschen/anderen Hunden, etc.). Ein Besuch in der Tierhandlung, der Parkplatz vor dem Tierarzt, der Wildtierpark, neben einer Schule... Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. 

Wechseln Sie Phasen, in denen der Hund auf Sie achten soll mit Phasen ab, wo er einfach nur schnüffeln, schauen und er selbst sein darf. So können Sie sicher sein, dass Sie die Aufmerksamkeit Ihres Hundes jederzeit auf sich lenken können, wenn Sie dies für notwendig halten.

Damit haben Sie und Ihr Hund die wichtigste Grundlagenübung für weiteres Training gemeistert!



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