Es gibt viele Gründe, warum Hunde im Training einfach nicht machen, was wir gerade verlangt haben. Natürlich ist der häufigste Grund der, dass wir einfach nicht genug Zeit darauf verwendet haben, ihm das gewünschte Verhalten wirklich beizubringen. Aber es gibt auch viele andere Gründe, abgesehen von "menschlichem Versagen", die dazu führen können, dass unser Hund unsere Signale nicht befolgen wird (oder befolgen kann).
Er versteht einfach nicht, was Sie von ihm wollen
Manchmal versteht der Hund einfach nicht, was Sie von ihm wollen. Das kann uns sehr verärgern und den Hund sehr frustrieren. Obwohl wir der Meinung waren, dass er ein bestimmtes Verhalten verstanden hat - besonders wenn er dies schon ein paar mal ausgeführt hat - kann es doch sein, dass er gar nicht wirklich weiß, was ein bestimmtes Signal bedeuten soll.
Nehmen wir das gute alte Sitz als Beispiel. Normalerweise geben Sie das Signal für Sitz, wenn der Hund vor Ihnen steht. Es kann durchaus sein, dass er daraufhin sofort sein Hinterteil auf den Boden plumpsen lässt. Aber jetzt geben Sie das Sitz Signal, wenn er neben Ihnen steht. Plötzlich hat er keine Ahnung mehr, was Sie von ihm wollen! Vielleicht bedeutet Sitz ja für ihn, dass er Ihnen ins Gesicht gucken, nicht dass er sein Hinterteil auf den Boden setzen soll. Das Endergebnis ist natürlich zunächst das Gleiche - die meisten Hunde setzen sich automatisch hin, wenn sie uns ins Gesicht schauen wollen.
Sie verwenden unterschiedliche Signale
Offensichtlich, und doch ein häufiger Fehler. Ich erwische mich selber auch schon mal dabei, Signale dadurch zu verändern, in dem ich Gesten der Wörter hinzufüge, den Ton meiner Stimme verändere oder meine Körperposition eine andere ist. Für den Hund sieht das dann nicht mehr aus wie das ursprünglich trainierte Signal, und er versteht mich nicht mehr. Wer hat seinem Hund in einem Moment der Panik noch nie "Komm sofort her!" hinterher gerufen, obwohl das Signal fürs Kommen normalerweise einfach "Komm" ist?
Das Verhalten wurde noch nicht generalisiert
Ein weiterer Klassiker. Wie oft höre ich von einem hilflosen Hundebesitzer während einer Gruppenstunde: "Aber zu Hause hat er das noch gemacht!". Jeder, der mit seinem Hund am Hundesport teilnimmt, kennt das Problem ebenfalls zur Genüge und weiß, wie wichtig es ist, ein Verhalten zu generalisieren. Da stehen Sie in Ihrem Wohnzimmer, und Ihr Hund geht perfekt bei Fuss, kommt beim Rückruf angeschossen wie ein Pfeil und zeigt einen anbetungswürdigen Apport. Begeistert melden Sie sich zu einem Obedience-Wettbewerb an - ein Fleckchen Gras mitten auf einem Stadtfest, nur abgetrennt durch ein paar Seile. Ihr Hund benimmt sich, als hätte er Sie noch nie zuvor in seinem Leben gesehen, und ganz bestimmt hat er noch nie mit Ihnen trainiert!
Hunde generalisieren Verhalten nicht gut auf neue Situationen. Deswegen müssen Sie neue Verhalten in vielen verschiedenen Situationen, zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten üben - je mehr, desto besser. Nur so wird ein Verhalten zuverlässig. Das ist besonders wichtig, wenn Sie ein bestimmtes Verhaltensmuster durch ein neues Verhalten erstezen wollen. Also, statt Ihren Besuch anzuspringen wie bisher, soll Ihr Hund sich nun hinsetzen, wenn Freunde zu Besuch kommen. Und diejenigen unter Ihnen, die Hundesport betreiben möchten, müssen dies in einem ähnlichen Kontext trainieren - auch wenn das bedeutet, dass Sie am Samstag morgen Ihren eigenen Ring im Stadtpark errichten und einen Freund sie mir "links herum, rechts herum" herumkommandieren darf.
Ihr Hund muss mal...
Ein Selbsterklärer. Aber es kommt immer wieder vor, dass Hunde sich vor dem Training nicht ausreichend entleeren konnten oder Trainingseinheiten zu lange sind, und der Welpe schon wieder muss.
Ihr Hund ist müde, fühlt sich nicht gut oder hat Schmerzen
Jeder weiß, dass Welpen sich nur sehr kurz konzentrieren können, bevor sie wieder eine Pause brauchen. Trotzdem bekomme ich oft genug Welpen zu Gesicht, die schlicht und einfach total übermüdet sind. Das sieht dann aus, als ob sie hyperaktiv wären und gar nicht wissen wohin mit all der Energie. In Wirklichkeit braucht der Welpe dringend ein Schläfchen. Sobald Sie den Welpen in seiner Aktivität bremsen, fällt er dankbar in tiefen Schlaf. Manchmal braucht dies eine Hundebox oder einen anderen ruhigen Ort, damit das Hundebaby zur Ruhe kommen kann. Vergessen Sie auch nicht, das mentale Beschäftigung auch für heranwachsende oder ältere Hunde ermüdend sein kann, besonders, wenn Sie etwas Neues üben und der Hund dies zu Anfang noch schwierig findet. Deswegen sollte man immer in kurzen Einheiten üben.
Wenn dem Hund der Kopf weh tut, der Magen rumort oder er sonstwie krank ist, dann kann er Ihnen das natürlich nicht mitteilen. Wenn Ihr Hund, der sonst immer eifrig mitarbeitet, aber plötzlich zögert, dann sollten Sie sein Wohlbefinden in Betracht ziehen.
Ihr Hund ist nicht motiviert
Sie sind der Meinung, Ihr Hund sollte freudig zu Ihnen gerannt kommen, wenn Sie ihn rufen? Schließlich tätscheln Sie ihm den Kopf und geben ihm ein Stück Trockenfutter? Das sieht er ganz anders! Falls sich Ihr Hund nicht die Bohne dafür interessiert mit Ihnen zu üben, oder geradezu enttäuscht aussieht, wenn Sie ihm seine Belohnung anbieten und danach selektives Hören entwickelt, dann sagt Ihnen das etwas über die Wertigkeit Ihrer Belohnung. Belohnung ist, was Ihr Hund dafür hält!
Abgesehen von der Wertigkeit Ihrer Belohnung sollten Sie auch überdenken, wie interessant Sie für Ihren Hund sind. Wenn Ihr Hund jederzeit von Ihnen bekommt was er will, inklusive Ihrer Aufmerksamkeit, dann ist die Umwelt auf einem Spaziergang durchaus auch mal interessanter. Schließlich hat er Sie den ganzen Tag. Und wenn Sie dann noch während dem Spaziergang "einfach nur an ihm dranhängen", dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn die Kaninchenspur vielversprechender erscheint. Wenn Sie dagegen auch mal unverhofft Ihren Hund zu sich rufen, um ein Spiel zu initiieren oder etwas Spannendes zu unternehmen, dann lohnt es sich für Ihren Hund, mit Ihnen "Zusammenzuarbeiten".
In welchem Zustand befindet sich Ihr Hund sonst, wenn Sie trainieren wollen? Ist er voller Energie, weil die Spaziergänge in den letzten Tagen sehr kurz ausgefallen sind? Dann sollten Sie vielleicht nicht gerade versuchen, ihm etwas beizubringen, das Geduld und Ruhe erfordert und ein bisschen langweilig für ihn ist (zum Beispiel das Bleib). Gibt er sich Mühe, zeigt aber Anzeichen von Frustration? Das kann schnell dazu führen, dass die Motivation allgemein abnimmt, also bieten Sie ihm auch mal eine Belohnung dafür an, dass er weiter versucht.
Ihr Hund ist übermotiviert
Im Gegensatz zu den Vertretern, die nicht richtig motiviert scheinen, können manche Hunde scheinbar an nichts anderes denken, als an die Belohnung. Der futtergierige Beagle oder der ballverrückte Border Collie fallen mir dazu spontan ein. Ein Collie Mischling bei mir im Training ist so verrückt nach ihrem Frisbee, dass schon dessen Anwesenheit in einem 200m Radius dazu ausreicht, ihr Hirn implodieren zu lassen! Sie kann sich dann auf nichts und niemanden konzentrieren oder gar selbständig denken. Aus diesem Grund wird das Frisbee höchstens mal als Überraschungsbelohnung am Ende einer Trainingseinheit hervorgezaubert, nach einem besonders schwierigen Verhalten. Manche Hunde regen sich bei der Aussicht auf ein bestimmtes Spielzeug, eine Futterbelohnung so auf, dass sie zu nichts zu gebrauchen sind. (Davon ab empfiehlt es sich, solchen Hunden andere - ruhige - Spiele beizubringen, wie Such- und Nasenspiele, um die "Abhängigkeir" und den damit verbundenen Serotoninkick etwas zu reduzieren. Aber das ist eine andere Geschichte).
Ehrlich gesagt, wenn Sie dieses Problem haben, dürfen Sie sich gar nicht beschweren! Wenn Ihr gieriger Labrador fast Ihre Finger bei dem Versuch verschluckt, an den Käse in Ihrer Hand zu kommen, dann wechslen Sie für das alltägliche Training zu langweiligerem Trockenfutter und sparen sich den Käse als Jackpot für besondere Gelegenheiten, wenn er etwas so Tolles gemacht hat, dass Sie es mit einem Käseschauer für immer in seinem Gedächtnis fixieren möchten.
Ihr Hund nimmt etwas wahr, das Sie nicht sehen können
Ablenkung ist natürlich der bekannteste Feind jeder Trainingseinheit, besonders im frühen Stadium, wenn Sie etwas Neues üben. Deswegen macht es Sinn, neue Verhalten zunächst in ruhiger und bekannter Umgebung zu üben. Dies ist einer der Hauptgründe, warum viele Hunde in Gruppenstunden zunächst überfordert sind. Dort herrscht alleine durch die Anwesenheit der anderen Menschen und Hunde so viel Ablenkung, dass sich viele Hunde nicht auf ihren Hundehalter konzentrieren können - und schon gar darauf, etwas Neues zu lernen. Wenn Ihr Hund den Übungsaufbau grundsätzlich verstanden hat, können Sie - Schritt für Schritt - Ablenkungen hinzufügen.
Trotzdem sollten Sie bedenken, dass Ihr Hund durch etwas abgelenkt sein könnte, das Sie gar nicht als Ablenkung empfinden. Ein nervöser Hund, der gerne seinen Abstand zu Artgenossen hält wird eine Übung verweigern, wenn ihn diese zu nahe an einen anderen Hund führt. Ein Welpe, der noch nie ein Flugzeug gesehen hat wird innehalten, und dieses am Himmel beobachten wollen, wenn es über das Trainingsgelände fliegt.
Wenn Sie also das nächste Mal versucht sind zu denken: "Er weiß genau, was er machen soll!", dnn halten Sie kurz inner und fragen sich, ob das wirklich so ist. Manchmal gibt es eine gute Erklärung für vermeintlichen "Ungehorsam".

