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Mittwoch, 10. März 2010

Was wurde aus den klassischen Welpengruppen?

Wir haben zum Frühling unsere traditionellen Welpengruppen eingestellt und bieten jetzt eine individuelle Welpenberatung (Erstgespräch), gefolgt von Einzeltraining an. Dazu besteht die Möglichkeit, an sorgfältig zusammengestellten (Mini-)Spielgruppen teilzunehmen, oder das Gelernte später in Kleingruppen zu festigen.

Wie kam es dazu?

Die Vorteile von Welpengruppen sind bekannt: der Welpe lernt den Umgang mit vielen anderen Menschen und Hunden und soll damit die Gelegenheit haben, sein Sozialverhalten zu festigen. Aus diesem Grund sind Welpengruppen fester Bestandteil vieler Hundeschulen - nicht zuletzt soll hier auch der Grundstein für ein gutes Miteinander zwischen Hund und Halter gelegt werden.

Leider ist es auch kein Geheimnis, dass die ehrlichen Bemühungen des Hundehalters sich manchmal ins Gegenteil umschlagen: in meiner Verhaltensberatung treffe ich immer wieder auf Junghunde oder erwachsene Hunde, deren Unverträglichkeiten mit Artgenossen bei längerem Nachforschen auf die Teilnahme an einer Welpengruppe zurückzuführen sind - und diese musste nicht unbedingt schlecht geführt sein.



Woran liegt das?

Die Gefahren von Welpengruppen sind ebenfalls bekannt: die Hundebabies sind noch nicht ausreichend vor Krankheiten geschützt, da sie in der Regel höchstens eine Grundimmunisierung erhalten haben. Nichtsdestotrotz bin ich nach wie vor der Meinung, dass wesentlich weniger Welpen an ansteckenden Infektionen wie Parvovirose erkranken - und dann mit tödlichem Ausgang - als Junghunde oder erwachsene Hunde wegen schwerwiegender Verhaltensprobleme im Tierheim landen oder gar eingeschläfert werden, weil sie bis zu ihrem sechsten Lebensmonat keinen Kontakt zur Aussenwelt hatten.

Auch Verletzungen beim Spiel in der Hundegruppe treten auf; natürlich kann ein Welpe sich aber auch beim Spiel zu Hause mit den Kindern oder dem erwachsenen Hund verletzen. Aus diesem Grund ist es wichtig, darauf zu achten, dass Welpen auf geeignetem Untergrund spielen - das Verletzungsrisiko für Sehnen und Bänder steigt auf rutschigem Boden.

Und natürlich kann man nicht einfach Hundebabies verschiedener Altersstufen und Größen in eine Gruppe werfen, und sie dann "machen lassen". Man stelle sich vor, wie sich ein schüchterner 10-Wochen alter Cocker Spaniel fühlt, der auf einen typischen 16-Woche alten Golden Retriever trifft...

Bei unseren Welpenkursen haben wir versucht, dies alles zu berücksichtigen, um den bestmöglichen Effekt ohne die potentiellen Nebenwirkungen zu erzielen. Durch den harten und langen Winter sind die regulären Welpengruppen dann praktisch zum Erliegen gekommen - die kleinen Würmchen sind schlicht und ergreifend im Schnee versunken, oder es war zu kalt oder der Boden war zu eisig, um draussen auf der Wiese zu trainieren. Also haben wir uns ein anderes Format ausgedacht, den Hundekindern bei einem guten Start ins Leben zu helfen.

Das Training liefr daraufhin ähnlich ab wie auch das Training für erwachsene Hunde: zunächst haben wir im Einzelgespräch Welpe und Hundehalter kennengelernt. Dabei war auch endlich einmal genug Zeit, auf die individuellen Fragen des Halters in Bezug auf auftretende Probleme einzugehen - was ja bei Gruppen in der Regel zu kurz kommt, weil jedes Hund-Mensch Gespann auf andere Probleme stößt. Außerdem hatte der Welpe die Gelegenheit, in seiner vertrauten Umgebung (zu Hause!) erste Übungen auszuprobieren. Ohne die Ablenkung durch andere Welpen und Menschen lernten diese Welpen wesentlich schneller, und auch der eine oder andere Halter gab zu, sich in den eigenen vier Wänden weniger gehemmt zu fühlen, bzw. den Lernfortschritt seines Welpen an denen andere Hundekinder zu messen.

Es folgten einige Einzelstunden, in der Regel im Abstand von 5 bis 7 Tagen, wo auf die Übungen aufgebaut, und weitere Fragen beantwortet werden konnten. Die Übungen konnten unter kontrollierter Ablenkung gefestigt werden, was dazu beitrug, dass die Welpen nicht nur schneller lernten, sondern das Gelernte auch wesentlich verlässlicher abrufbar war. Darüber hinaus konnten wir den Schwierigkeitsgrad dem einzelnen Welpen anpassen, also dem Lerntempo von Hund und Halter entsprechend.

Ganz besonders aber fiel auf, dass besonders die schüchternen Vertreter aus sich heraus kamen und mit gezielter Förderung (Gewöhnung an Pferde, Menschen, bestimmte Umgebungen etc.) schon bald nicht mehr von ihren forscheren Altersgenossen zu unterscheiden waren. Besonders profitierten diese von der kontrollierten Begegnung mit sozial gefestigten Hunden. Im Gegensatz zu anderen Welpen nahmen diese nämlich Rücksicht darauf, wenn der Kleine zu ängstlich für eine Kontaktaufnahme war und liessen ihn in seinem eigenen Tempo an sich herankommen. Sehr forsche Welpen wurden hingegen auch mal in ihre Schranken gewiesen. So lernten die Welpen einige Dinge, die sie in einer Welpengruppe nicht gelernt hätten, zum Beispiel, dass nicht alle Hunde immer und überall spielen wollen, dass man gewisse Etikette beim Kennenlernen einhält und dass man nicht immer auf jeden anderen Hund zurennen kann.

Letzteres ist oftmals der Auftakt zur Leinenagression: oftmals treffe ich Hundebesitzer, deren Hund jedes Mal wie wild an der Leine zerrt und bellt, wenn er einen Artgenossen sieht. Dabei ist oft einfach nur Frustration im Spiel; der Hund hat in der Welpengruppe gelernt, dass er immer und überall auf andere Hunde zulaufen darf, die dann auch mit ihm spielen. Im "wirklichen " Leben ist das aber keineswegs so: viele erwachsene Hunde spielen nicht mit "Zufallsbekanntschaften", sondern lernen sich erst kennen oder sind auch einfach zufrieden, zusammen an einem Maulwurfhügel zu schnuppern. Andere sind selber unsicher und reagieren aggressiv gegenüber Hunden, die geradewegs auf sie zuhalten. Wird der Hund nun zurückgehalten, entsteht Frustration, dieser wird oft laut bellend oder an der Leine zerrend Ausfruck verliehen. Der Besitzer denkt dann oft, sein Hund sei aggressiv und vermeidet weitere Begegnungen oder straft den Hund gar - der Beginn eines Teufelskreises.

Ein weitere Aspekt zeigte sich bei der Bindung zum Menschen; die Welpen im Einzeltraining zeigten eine enge Bindung zu ihrer Familie und waren relativ schnell auch aus Hundebegegnungen oder sogar Spiel abrufbar. Natürlich durchlaufen auch diese Hunde ihre Teenagerzeit und werden dann vermutlich zunächst wieder auf "taub" schalten, jedoch haben sie gelernt, dass ihre Menschen nicht unbedingt jeglichen Spaß behindern, sondern die Quellealler guten Dinge sind.

Zu guter Letzt gibt es auch einige neue Studien, die zeigen, dass stundenlanges, wildes Herumtoben von Welpen ohne Korrektur dem Sozialverhalten eher schadet als nutzt. Stärkere Welpen neigen dazu, Schwächere zu unterdrücken, und so mancher schüchterne Welpe hat die Angst vor anderen Hunden in der Großgruppe erst erlernt. Dass Hunde - wie übrigens alle Lebewesen - zunächst ohne Ablenkung besser lernen ist nicht wirklich neu, aber man muss ich eimal vor Augen führen, wie aufregend eine solche Gruppe von Menschen und Hunden für das Hundekind wirklich ist. Fremde Gerüche, Orte, eventuell eine Autofahrt, Menschen, Hunde, etc., da ist kaum verwunderlich, dass ein Welpe schnell überfordert ist. Statt 1x die Wioche eine solche Reizüberflutung zu erlauben, sollten Sie Ihren Welpen lieber täglich, aber kurz mit anderen Hunden und Menschen bekannt machen. So können Sie auch sicherstellen, dass solche Begegnungen stets positiv für den Welpen verlaufen.

Besitzer von Welpen, die zum Mobben neigen können ihre Welpen schnell unterbrechen - wie es auch im Familienverband eines Hundes passieren würde. Denn raues Spielverhalten oder gar Mobben schadet nicht nur dem Unterlegenen, auch der "Mobber" hat keine Gelegenheit, angemessenes Verhalten zu lernen und es besteht die Chance, dass er durch sein forsches Auftreten irgendwann in seinem Leben echten Ärger provoziert, und dabei auch mal den Kürzeren zieht.

Wir haben also beschlossen, die Welpenerziehung weiter in diesem Format anzubieten. Ergänzend ermöglichen wir Welpenbegegnungen in sorgfältig zusammengestellten Kleinstgruppen (maximal 3 Welpen), falls Ihr Welpe zu Hause nicht die Möglichkeit zu ausreichendem Spiel hat. Dabei werden die Interaktionen aber sorgfältig beobachtet und regelmäßig unterbrochen, um angemessenes Spielverhalten zu fördern.

Wir hoffen, dass Ihnen unser neues Angebot gefällt, die Besitzer unserer "Winterwelpen" haben bis dato ausschließlich positives Feedback gegeben und sind erstaunt, wie große Fortschritte ihre Schützlinge über wenige Monate gemacht haben.

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